Es ist halt auch nur ein Job

Vor ein paar Tagen stieß ich bei Twitter auf den User “@chemokasper“, wie man ab- und zu über Artikel oder Personen in seiner Timeline stolpert. Der Chemokasper ist ein Pfleger auf einer Kinderonkologie in Deutschland. Einer von Vielen vielleicht – dennoch der Erste,  den ich bei Twitter getroffen habe, der einen kleinen Teil seiner Arbeit in der Kinderonkologie mit uns teilt. Kinderonokologie. “Schwieriges Thema”. Den  Menschen in ihrer oft verzweifelten Lage auch noch etwas von der eigenen Kraft abzugeben. Trost und Mut zu spenden. Und manchmal auch der starke Begleiter zu sein. Bis zum Schluß. Den Kinder/Jugendlichen UND ihren Eltern.

[…]”Das könnte ich nicht.“ Diese und ähnliche Aussagen höre ich oft. Ich nehme das auch keinem übel.”

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Der Chemokasper

Pfleger in einer Kinderonkologie

Es gibt Menschen, die ihn sicherlich bewundern. Menschen, die von sich wissen, dass sie so einen Beruf niemals ausüben könnten. Das gleiche sagen Andere widerum über Gebäudereiniger, die in schwindelnder Höhe arbeiten müssen. Oder vielleicht auch Berufssoldaten, deren Job es sein kann,  anderen Menschen das Leben zu nehmen. Kann man diese Berufe gleichsetzen oder miteinander vergleichen ? Sicherlich nicht. Aber man kann die Einstellung vergleichen, mit der wir auf diese Berufe schauen. In Berufen wie dem von Chemokasper, denke ich, dass es durchaus eine Erfüllung sein kann, Menschen wirklich helfen zu können. Sie zu begleiten. Kraft zu geben. Der Baum im Sturm zu sein. Sich nicht der eigenen Schwäche und eigener Emotionen hinzugeben. Dem Leidenden nicht unser Mitleid auszudrücken-, sondern ihm Kraft zum Durchhalten zu spenden. Diese Eigenschaft, an den Anderen mehr zu denken, als an sich selbst, ist es, was einen Alltagshelden ausmacht. Der Chemokasper gehört sicherlich, wie viele seiner Zunft in diese Heldenkategorie.

Menschen wie er, wollen oft nicht “gefeiert” werden, denn sie “tun ja eigentlich ‘nur’ ihren Job”. Und so bleiben sie oft unbeobachtet und ungeschätzt von der Gesellschaft. Sollte man sie nicht mehr beachten? Ihnen den gebührenden Platz in der Öffentlichkeit geben? Bekanntmachen, was sie tagtäglich tun? Nicht unbedingt. Aber man sollte Menschen wie ihn darin bestärken, dass sie das Richtige tun. Und sie vor allem wertschätzen. Wie auch die vielen guten Seelen, in den Hospizen, Feuerwehren, Krankenhäuser, Freiwilligendiensten, (u.v.m)  die 24/7 nur für Dich da sind, wenn du sie brauchst.

[…]”Sie vertrauen mir ihre Sorgen und Nöte an, doch dann muss ich sie irgendwann immer zurücklassen”

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@LaVieVagabonde

Journalistin, Seeräuberbatman, Hamsterdomteurin & Sternenkindfotografin

Unsere Gesellschaft wird von wunderbaren Menschen getragen, die in kaum einem Medium stattfinden. Die im Hintergrund arbeiten. Oft unbemerkt. Die meisten von uns ahnen nicht einmal, dass es Menschen mit Aufgaben gibt, die sich viele von uns nicht mal vorstellen können, dass sie existieren. Wie zum Beispiel das Fotografieren von  Sternenkindern.

Was Sternenkinder sind, habe auch ich erst durch einen Zufallsklick auf das Twitterprofil von @LaVieVagabonde erfahren. […] “Das sind Kinder, die noch im Bauch der Mutter oder bei/kurz nach der Geburt sterben“. Die ethische Diskussion aussen vor gelassen, ist auch dies eine Aufgabe, der sicherlich nicht Jeder gewachsen ist.

Auch Jasmin (so der eigentliche Name vvon LaVieVagabonde) gehört zu den Menschen, die sich zurückstellen und Menschen in Momenten helfen, in denen sie mit der Situation überfordert sind. Ihnen ein wenig Halt und Kraft zu geben. Dabei helfen  ihren oft schicksalbehafteten harten Weg zu gehen und einen kleinen Teil sogar mitzugehen. Die Organisation “Sternenkinder” beheimatet eine wachsende Schaar an freiwilligen Fotografen, die ihr Können, Kreativität, Ausrüstung, Zeit und Empathie zur kostenlos Verfügung stellen. Sie werden über ein Notrufsystem alarmiert und fahren zu jeder Tages- und Nachtzeit in Kliniken und fertigen meist die letzten Erinnerungen für Eltern an, die von dem sterbenden Kind bleiben werden. Zumindest Erinnerungen , die man anfassen und anschauen kann. An die man sich mit Schmerz aber auch gerne zurückerinnern kann. Eine dieser Fotografinnen ist Jasmin (LaVieVagabonde) . Und ganz nebenbei ist sie auch ein wenig der Situationstherapeut, der den Eltern in ihrer schwierigsten Phase ein wenig sternenglitzertrost ins Leben streut. Halt gibt. Für sie da ist.

Wer mehr über Jasmin, LaVieVagabonde wissen möchte – oder auch wissen möchte, warum sie tut, was sie tut, dem sei ihre Webseite www.sterbenueben.de empfohlen.

Es muss uns wütend machen, wegzusehen mit dem Wissen, was diese Menschen leisten und eigentlich verdienen im Vergleich zu dem, was sie bekommen. Damit ist nicht nur das Gehalt gemeint. Viele von uns haben es vergessen, wie viel ein “Danke schön” wert sein kann. Ein Danke-lächeln. Ein Danke-Schokoriegel. Oder eine Danke-Spende. Wie viel diese Menschen wirklich leisten, wird einem oft erst bewußt, wenn man selbst betroffen ist. Als Angehöriger oder auch als Betroffener.

Ein wenig mehr Demut gegenüber unseren Alltagshelden täte uns ganz gut. Mal darüber nachdenken, was viele Freiwillige jeden Tag für uns leisten – ohne die unsere Gesellschaft gar nicht funktionieren würde.  Nicht nur an den sogenannten christlichen Feiertagen mal in sich gehen und ganz speziell Jeder, der jetzt diese Zeilen liest, in sich gehen und darüber nachdenken, was er oder sie tun kann. Nicht könnte.

Wer kennt sie nicht -die schlechtgelaunte Supermarktkassiererin. Kein Lächeln. Keinen freundlichen guten Tag wünschend. Weiss die denn nicht, was man selbst für einen beschissenen Tag hinter sich hat. Muss man sich dann von “so einer” auch noch angiften lassen, obwohl man doch selbst freundlich ist. Schließlich kaufen wir ja nicht zum Vergnügen ein und wir könnten uns schöneres vorstellen. Ausser Acht lassen wir vielleicht die 900 Kunden, die vor uns am Band standen. Ihren Feierabendfrust an der Kassiererin ausgelassen haben, weil im Markt selbst kein Ansprechpartner zu finden war, der einem den Ärger abnimmt. Lieblingsnudeln ausverkauft. Eier an einem völlig unauffindbaren Platz. Nervige Einkaufswagen stehen im Gang. Nicht ausgeräumte Kartons stehen im Weg und die Butter ist auch schon wieder teurer als gestern. Angestaute Aggression multipliziert mit der Anzahl der Kunden plus eigene Sorgen und Nöte in Kombination mit einem echt beschissenem Gehalt ist es vielleicht nicht immer einfach auch den 901sten Kunden noch freundlich anzulächeln. Warum nicht mal selbst den Kreis durchbrechen? Freundlichkeit ist so einfach.

Die Online-Petitionen, die viele Leser jeden Tag unterschreiben und damit ihr Gewissen besänftigen. Das meckern über Unzulänglichkeiten im eigenen Leben. Das Protestkreuz an der falschen Stelle auf dem Wahlzettel. Wir alle haben unser eigenes Schicksal in der Hand. Und Zusammen bilden wir eine Gesellschaft. Wir sind die Gesellschaft. Es sind nicht die Anderen, die diese Gesellschaft geformt und den “Karren in den Dreck gefahren” haben. Das sind wir.

Es gibt so viele kleine Dinge, die wir tun “könnten”. Die uns nicht mal viel Mühe kosten. kein Geld. keine Kraft.

Manchmal hilft es, wenn man vor Augen geführt bekommt, wie es bei Anderen läuft. Und manchmal ist dann das eigene Schicksal gar nicht mehr so schlimm. Und vielleicht animiert es einen sogar über sich hinaus zu wachsen – Den Kreis zu durchbrechen und ein wenig zurückzugeben, was Menschen wie der Chemokasper oder
LaVieVagabonde täglich für die Gesellschaft leisten.

Jasmin und der Chemokasper sind 2 von vielen Twitterern*, die ich beim vorbeilesen kennengelernt habe. Beeindruckt von der Persönlichkeit den Geschichten, die ich über und von ihnen gelesen habe, möchte ich Andere dazu anleiten, differenziert auf Dinge zu blicken. Schwierigkeiten vielleicht  nicht als Hürde sondern Aufgaben zu betrachten. Menschen, wie die Beiden zu würdigen und mehr Beachtung zu schenken. Generell etwas Menschlicher zu sein. In Zeiten wie Trump, Klimawandel und Rechtsruck. Ich persönlich möchte einfach nur Danke sagen. Danke LaVieVagabonde, Danke Chemokasper, danke ihr Alle da draußen.

Empfehlung für heute: Bitte lächele JETZT

Lese – Empfehlung:

Blog “Sterben üben” von Jasmin “LaVieVagabonde”
    – Das erste und das letzte Bild

 Blog von Chemokasper:
    – Beruf oder Berufung
    – Ein Geschenk von weit weg
    – Wo bin ich hier… und warum?

dein-sternenkind.eu

  • * WAS ZUM TEUFEL IST DER PLURAL VON TWITTERER ? 😀


Minutenweise Matrix

Es gibt Fans, die manchmal in eine art Nerd-tum verfallen, wenn sie vielleicht etwas zu tief in ihre oft recht spezielle Materie eintauchen. Ein gutes Beispiel  sind die sogenannten Trekkies. Manche sind in der Lage die damals fiktiven Antriebsarten mit einer durchaus physikalisch plausiblen Erklärung darzustellen. Oder Andere, die eine komplette fiktive Sprache wie klingonisch lernen, um so mit gleichgesinnten auf messen miteinander zu kommunizieren.

Minutenweise Matrix – Ein Podcast

Viele technische Innovationen, die zum Zeitpunkt des Seriendrehs von Startrek noch nicht existierten, wurden deutlich später tatsächlich erfunden. Der Kommunikator zum Beispiel. Sich automatisch öffnende Türen, um nur zwei zu nennen.

Diese zum teil wissenschaftlich recherchierten Details trugen zumindest nicht nur zur Belustigung der Nicht-Nerds bei. Umso spannender mag man sich fragen, welches Ziel die drei Podcaster Arne ‘Codenaga’ Ruddat, Bastian ‘Schlingel’ Wölfle und Alexander ‘Hoaxmaster’ Waschkau mit ihrem Werk “Minutenweise Matrix” verfolgen. Treffender hätte man den Titel nicht wählen können. Es gibt wohl kaum Jemanden, der den Film “The Matrix” aus dem Jahr 1999 nicht kennt. Dieser Film prägte eine ganze Industrie und setzte sich auch entsprechend fort. Den ersten Teil dieser Triologie nehmen diese drei Podcaster nun minutenweise auseinander. MINUTENWEISE. Beginnend mit dem Vorspann des Films tastet sich der Podcast Episode für Episode durch den Film.

Als wir in der Redaktion das erste mal von diesem Projekt hörten, dachten wir an genau jene “Freaks”, die in Kellern Chips in sich hineinstopfend über die einzelnen Episoden philosophierend das Sonnenlicht ignorieren. Doch wurde zumindest ein teil von uns eines Besseren belehrt. Nun kann man geteilter Meinung sein, ob man wirklich Jede (und es ist hier WIRKLICH jede einzelne Minute) des Films Matrix besprochen werden muss. The Matrix hatte damals auch einen großen Eindruck mir hinterlassen, als ich aus dem Kino kam. Jedoch haben wir uns niemals derart detailiiert mit den Szenen auseinandergesetzt.Die Idee ist zwar nicht neu, jedoch in Deutschland unseres erachtens einmalig. Ein befreundetes Projekt hat den dreien die Konzeptkopie gestattet : http://moviesbyminutes.com/

Viele Dinge eines Films gehen einem beim ersten – oder auch zweiten mal schauen verloren. Das kann bei diesem Podcast nicht passieren. Aktuell befinden wir uns bei Minute 22 und somit auch bei Minute 22 des Films.  Die Podcastautoren sagen selbst über das Projekt: “Der Film ‘The Matrix’: diskutiert, analysiert und zelebriert.” Wir sind definitiv angefixt und freuen uns, die nächste Episode hören zu dürfen.

Fazit: Unbedingt hörenswert. Man achtet beim nächsten mal Matrix schauen viel bewusster auf die Details. Zumindest uns hat der Podcast bisher so gut gefallen, dass er schonmal dafür gesorgt hat- gleich nochmal Matrix Teil 1 zu schauen.

Minutenweise Matrix : https://compendion.net/minutenweisematrix/
Erscheint fast regelmäßig. 🙂
Auch zu hören auf den bekannten Podcast-Plattformen.





Tropfen auf dem kalten Stein

Auch zum Ende diesen Jahres wird es nicht nur in Berlin für viele Menschen deutlich kälter, als für die Meisten werden. Nicht Jeder kann den Vorteil einer funktionierenden geheizten Räumlichkeit genießen. Die Sprache ist von den vielen Obdachlosen in deutschen Städten. 850.000 Menschen galten November 2017 als Wohnungslos.  Seit 2014 hat sich die Anzahl nahezu verdoppelt. Im Vergleich zu 2016 ergab sich ein Anstieg um 150%.  Als wohnungslos gilt, wer keine dauerhafte Wohnung hat und stattdessen in Unterkünften lebt, in denen der Aufenthalt zeitlich begrenzt ist.

 

2 Stationen

Die Streitigkeiten zwischen der Stadt Berlin und der BVG sind beigelegt. Die BVG öffnet dieses Jahr 2 U-Bahnhöfe für Obdachlose.

2010

250.000 Wohnungslose

2012

285.000 Wohnungslose

2014

335.000 Wohnungslose

2017

850.000 Wohnungslose

2018

1.200.000 Wohnungslose

Die Zahlen sind erschreckend – steigen sie doch von Jahr zu Jahr mehr an. Das bemerkt auch Frank Zander (76) wenn er – wie jedes Jahr – ein Weihnachtsfest für die Obdachlosen Berlins organisiert.  Auch dieses Jahr  findet am 21.12.2018 Frank Zanders 24. Weihnachtsfeier für Obdachlose & Bedürftige im Estrel Berlin statt. Schon im letzten Jahr musste er die Anzahl der teilnehmenden Menschen auf 3.000 begrenzen. Dreitausend Menschen, die kommen, um einmal im Jahr – finanziert durch Spenden – einen Abend erleben zu dürfen, der sie die harte Welt da draußen für ein paar Stunden vergessen lässt. Ein kostenloser Haarschnitt, ein Weihnachtsdiner (Gans, Klöße, Rotkohl, etc) und ein kleines Geschenk. Sie werden freundlich bedient. Frank Zander, der für dieses Engagement 2017 mit der Neuköllner Ehrennadel ausgezeichnet wurde, tritt mit anderen Künsterln auf.

 

Update: Halloween 2018 – Zombiewalk Berlin

Noch am 12. September berichteten wir vom Zombiewalk Berlin und dem Veranstalter “BerlinCityMobber”. Dieser hat nun mitgeteilt, dass es ihm aus Zeitgründen dieses Jahr nicht möglich ist den Walk zu organisieren.

Nach sehr kurzem Überlegen haben wir uns dazu entschlossen, dass der Zombiewalk definitiv stattfinden muss und haben die Organisation übernommen. Gegen ende dieser Woche werden wir die Einzelheiten bekanntgeben.

Fest steht schon, dass dieses mal kein “geplanter” Thrillertanz stattfinden wird. Allerdings haben wir schon andere Ideen im Sarg.

Wir freuen uns riesig auf Euch.

Halloween 2018 Zombiewalk in Berlin

Zombiewalks sind seit nunmehr über 10 Jahren ein immer bekannter werdender Spaßevent in Deutschland. Ende Oktober wandeln die zum Teil Hollywoodreifen Zombies in Flashmobs durch die Straßen Berlins.

Einer der größten Events in Berlin ist mitunter der Zombiewalk am Alexanderplatz. Der Organisator “BerlinCityMobber” organisiert zusammen mit seinem Tanzensemble Jahr für Jahr diesen kostenlosen Event, an dem meist mehr als Tote teilnehmen.

“Halloween 2018 Zombiewalk in Berlin” weiterlesen

Der Pressekodex

Grundlage für die Beurteilung der von Lesern eingereichten Beschwerden sind die Publizistischen Grundsätze, der Pressekodex. Er enthält 16 Ziffern, die Maßstäbe hinsichtlich der Berichterstattung und des journalistischen Verhaltens festlegen. Mit ihnen wird die Wahrung der Berufsethik sichergestellt. Ergänzende Richtlinien bieten darüber hinaus praktische Hilfen, um in der redaktionellen Praxis auftretende Fragen zu beurteilen.

Quelle: Presserat.de

Eine Zusammenfassung des Kodex mit wertendem Kommentar erhalten Sie auf www.anwalt.org

Präambel

Die im Grundgesetz der Bundesrepublik verbürgte Pressefreiheit schließt die Unabhängigkeit und Freiheit der Information, der Meinungsäußerung und der Kritik ein. Verleger, Herausgeber und Journalisten müssen sich bei ihrer Arbeit der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und ihrer Verpflichtung für das Ansehen der Presse bewusst sein. Sie nehmen ihre publizistische Aufgabe fair, nach bestem Wissen und Gewissen, unbeeinflusst von persönlichen Interessen und sachfremden Beweggründen wahr.

Die publizistischen Grundsätze konkretisieren die Berufsethik der Presse. Sie umfasst die Pflicht, im Rahmen der Verfassung und der verfassungskonformen Gesetze das Ansehen der Presse zu wahren und für die Freiheit der Presse einzustehen.
Die Regelungen zum Redaktionsdatenschutz gelten für die Presse, soweit sie personenbezogene Daten zu journalistisch-redaktionellen Zwecken erhebt, verarbeitet oder nutzt. Von der Recherche über Redaktion, Veröffentlichung, Dokumentation bis hin zur Archivierung dieser Daten achtet die Presse das Privatleben, die Intimsphäre und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Menschen.

Die Berufsethik räumt jedem das Recht ein, sich über die Presse zu beschweren. Beschwerden sind begründet, wenn die Berufsethik verletzt wird.

Diese Präambel ist Bestandteil der ethischen Normen.

Ziffer 1 – Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde

Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.

Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.

Richtlinie 1.1 – Exklusivverträge
Die Unterrichtung der Öffentlichkeit über Vorgänge oder Ereignisse, die für die Meinungs- und Willensbildung wesentlich sind, darf nicht durch Exklusivverträge mit den Informanten oder durch deren Abschirmung eingeschränkt oder verhindert werden. Wer ein Informationsmonopol anstrebt, schließt die übrige Presse von der Beschaffung von Nachrichten dieser Bedeutung aus und behindert damit die Informationsfreiheit.

Richtlinie 1.2 – Wahlkampfberichterstattung
Zur wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit gehört, dass die Presse in der Wahlkampfberichterstattung auch über Auffassungen berichtet, die sie selbst nicht teilt.

Richtlinie 1.3 – Pressemitteilungen
Pressemitteilungen müssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion veröffentlicht werden.

Ziffer 2 – Sorgfalt

Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.

Symbolfotos müssen als solche kenntlich sein oder erkennbar gemacht werden.

Richtlinie 2.1 – Umfrageergebnisse
Bei der Veröffentlichung von Umfrageergebnissen teilt die Presse die Zahl der Befragten, den Zeitpunkt der Befragung, den Auftraggeber sowie die Fragestellung mit. Zugleich muss mitgeteilt werden, ob die Ergebnisse repräsentativ sind.

Sofern es keinen Auftraggeber gibt, soll vermerkt werden, dass die Umfragedaten auf die eigene Initiative des Meinungsbefragungsinstituts zurückgehen.

Richtlinie 2.2 – Symbolfoto
Kann eine Illustration, insbesondere eine Fotografie, beim flüchtigen Lesen als dokumentarische Abbildung aufgefasst werden, obwohl es sich um ein Symbolfoto handelt, so ist eine entsprechende Klarstellung geboten. So sind

– Ersatz- oder Behelfsillustrationen (gleiches Motiv bei anderer Gelegenheit, anderes Motiv bei gleicher Gelegenheit etc.)
– symbolische Illustrationen (nachgestellte Szene, künstlich visualisierter Vorgang zum Text etc.)
– Fotomontagen oder sonstige Veränderungen

deutlich wahrnehmbar in Bildlegende bzw. Bezugstext als solche erkennbar zu machen.

Richtlinie 2.3 – Vorausberichte
Die Presse trägt für von ihr herausgegebene Vorausberichte, die in gedrängter Fassung den Inhalt einer angekündigten Veröffentlichung wiedergeben, die publizistische Verantwortung. Wer Vorausberichte von Presseorganen unter Angabe der Quelle weiterverbreitet, darf sich grundsätzlich auf ihren Wahrheitsgehalt verlassen. Kürzungen oder Zusätze dürfen nicht dazu führen, dass wesentliche Teile der Veröffentlichung eine andere Tendenz erhalten oder unrichtige Rückschlüsse zulassen, durch die berechtigte Interessen Dritter verletzt werden.

Richtlinie 2.4 – Interview
Ein Wortlautinterview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es das Gesagte richtig wiedergibt.

Wird ein Interview ganz oder in wesentlichen Teilen im Wortlaut zitiert, so muss die Quelle angegeben werden. Wird der wesentliche Inhalt der geäußerten Gedanken mit eigenen Worten wiedergegeben, entspricht eine Quellenangabe journalistischem Anstand.

Richtlinie 2.5 – Grafische Darstellungen
Die Sorgfaltspflicht verlangt, bei grafischen Darstellungen irreführende Verzerrungen auszuschließen.

Richtlinie 2.6 – Leserbriefe
(1) Bei der Veröffentlichung von Leserbriefen sind die Publizistischen Grundsätze zu beachten. Es dient der wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit, im Leserbriefteil auch Meinungen zu Wort kommen zu lassen, die die Redaktion nicht teilt.

(2) Zuschriften an Verlage oder Redaktionen können als Leserbriefe veröffentlicht werden, wenn aus Form und Inhalt erkenn¬bar auf einen solchen Willen des Einsenders geschlossen werden kann. Eine Einwilligung kann unterstellt werden, wenn sich die Zuschrift zu Veröffentlichungen des Blattes oder zu allgemein interessierenden Themen äußert. Der Verfasser hat keinen Rechtsanspruch auf Abdruck seiner Zuschrift.

(3) Es entspricht einer allgemeinen Übung, dass der Abdruck mit dem Namen des Verfassers erfolgt. Nur in Ausnahmefällen kann auf Wunsch des Verfassers eine andere Zeichnung erfolgen. Die Presse verzichtet beim Abdruck auf die Veröffentlichung von Adressangaben, es sei denn, die Veröffentlichung der Adresse dient der Wahrung berechtigter Interessen. Bestehen Zweifel an der Identität des Absenders, soll auf den Abdruck verzichtet werden. Bei der Übernahme von Nutzerbeiträgen (RL 2.7) als Leserbriefe können Pseudonyme beibehalten werden. Es muss jedoch auf die Quelle hingewiesen werden. Die Veröffentlichung fingierter Leserbriefe ist mit der Aufgabe der Presse unvereinbar.

(4) Änderungen oder Kürzungen von Zuschriften ohne Einverständnis des Verfassers sind grundsätzlich unzulässig. Kürzungen sind jedoch möglich, wenn die Rubrik Leserzuschriften einen regelmäßigen Hinweis enthält, dass sich die Redaktion bei Zuschriften, die für diese Rubrik bestimmt sind, das Recht der sinnwahrenden Kürzung vorbehält. Verbietet der Einsender ausdrücklich Änderungen oder Kürzungen, so hat sich die Redaktion, auch wenn sie sich das Recht der Kürzung vorbehalten hat, daran zu halten oder auf den Abdruck zu verzichten.

(5) Alle einer Redaktion zugehenden Leserbriefe unterliegen dem Redaktionsgeheimnis. Sie dürfen in keinem Fall an Dritte weitergegeben werden.

Richtlinie 2.7 – Nutzerbeiträge (User-Generated Content)
Die Presse trägt Verantwortung für ihre Angebote, auch für die von Nutzern beigesteuerten Inhalte (User-Generated Content). Von Nutzern zugelieferte Beiträge müssen als solche klar erkennbar sein.

Die Redaktion stellt die Einhaltung der publizistischen Grundsätze sicher, wenn sie Verstöße durch Nutzerbeiträge selbst erkennt oder darauf hingewiesen wird. Sofern die Redaktion einzelne Nutzerbeiträge auswählt oder sie bearbeitet, ist die Einhaltung der publizistischen Grundsätze von vornherein sicherzustellen.

Ziffer 3 – Richtigstellung

Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.

Richtlinie 3.1 – Anforderungen
(1) Für den Leser muss erkennbar sein, dass die vorangegangene Meldung ganz oder zum Teil unrichtig war. Deshalb nimmt eine Richtigstellung bei der Wiedergabe des korrekten Sachverhalts auf die vorangegangene Falschmeldung Bezug. Der wahre Sachverhalt wird geschildert, auch dann, wenn der Irrtum bereits in anderer Weise in der Öffentlichkeit eingestanden worden ist.

(2) Bei Online-Veröffentlichungen wird eine Richtigstellung mit dem ursprünglichen Beitrag verbunden. Erfolgt sie in dem Beitrag selbst, so wird dies kenntlich gemacht.

Richtlinie 3.2 – Dokumentierung
Führt die journalistisch-redaktionelle Erhebung, Verarbeitung oder Nutzung personenbezogener Daten durch die Presse zur Veröffentlichung von Richtigstellungen, Widerrufen, Gegendarstellungen oder zu Rügen des Deutschen Presserats, so sind diese Veröffentlichungen von dem betreffenden Publikationsorgan zu den gespeicherten Daten zu nehmen und für dieselbe Zeitdauer zu dokumentieren wie die Daten selbst.

Ziffer 4 – Grenzen der Recherche

Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.

Richtlinie 4.1 – Grundsätze der Recherchen
Journalisten geben sich grundsätzlich zu erkennen. Unwahre Angaben des recherchierenden Journalisten über seine Identität und darüber, welches Organ er vertritt, sind grundsätzlich mit dem Ansehen und der Funktion der Presse nicht vereinbar.

Verdeckte Recherche ist im Einzelfall gerechtfertigt, wenn damit Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind.

Bei Unglücksfällen und Katastrophen beachtet die Presse, dass Rettungsmaßnahmen für Opfer und Gefährdete Vorrang vor dem Informationsanspruch der Öffentlichkeit haben.

Richtlinie 4.2 – Recherche bei schutzbedürftigen Personen
Bei der Recherche gegenüber schutzbedürftigen Personen ist besondere Zurückhaltung geboten. Dies betrifft vor allem Menschen, die sich nicht im Vollbesitz ihrer geistigen oder körperlichen Kräfte befinden oder einer seelischen Extremsituation ausgesetzt sind, aber auch Kinder und Jugendliche. Die eingeschränkte Willenskraft oder die besondere Lage solcher Personen darf nicht gezielt zur Informationsbeschaffung ausgenutzt werden.

Richtlinie 4.3 – Sperrung oder Löschung personenbezogener Daten
Personenbezogene Daten, die unter Verstoß gegen den Pressekodex erhoben wurden, sind von dem betreffenden Publikationsorgan zu sperren oder zu löschen.

Ziffer 5 – Berufsgeheimnis

Die Presse wahrt das Berufsgeheimnis, macht vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und gibt Informanten ohne deren ausdrückliche Zustimmung nicht preis.

Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren.

Richtlinie 5.1 – Vertraulichkeit
Hat der Informant die Verwertung seiner Mitteilung davon abhängig gemacht, dass er als Quelle unerkennbar oder ungefährdet bleibt, so ist diese Bedingung zu respektieren. Vertraulichkeit kann nur dann nicht bindend sein, wenn die Information ein Verbrechen betrifft und die Pflicht zur Anzeige besteht. Vertraulichkeit muss nicht gewahrt werden, wenn bei sorgfältiger Güter- und Interessenabwägung gewichtige staatspolitische Gründe überwiegen, insbesondere wenn die verfassungsmäßige Ordnung berührt oder gefährdet ist.

Über als geheim bezeichnete Vorgänge und Vorhaben darf berichtet werden, wenn nach sorgfältiger Abwägung festgestellt wird, dass das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit höher rangiert als die für die Geheimhaltung angeführten Gründe.

Richtlinie 5.2 – Nachrichtendienstliche Tätigkeiten
Nachrichtendienstliche Tätigkeiten von Journalisten und Verlegern sind mit den Pflichten aus dem Berufsgeheimnis und dem Ansehen der Presse nicht vereinbar.

Richtlinie 5.3 – Datenübermittlung
Alle von Redaktionen zu journalistisch-redaktionellen Zwecken erhobenen, verarbeiteten oder genutzten personenbezogenen Daten unterliegen dem Redaktionsgeheimnis. Die Übermittlung von Daten zu journalistisch-redaktionellen Zwecken zwischen den Redaktionen ist zulässig. Sie soll bis zum Abschluss eines formellen datenschutzrechtlichen Beschwerdeverfahrens unterbleiben. Eine Datenübermittlung ist mit dem Hinweis zu versehen, dass die übermittelten Daten nur zu journalistisch-redaktionellen Zwecken verarbeitet oder genutzt werden dürfen.

Ziffer 6 – Trennung von Tätigkeiten

Journalisten und Verleger üben keine Tätigkeiten aus, die die Glaubwürdigkeit der Presse in Frage stellen könnten.

Richtlinie 6.1 – Doppelfunktionen
Übt ein Journalist oder Verleger neben seiner publizistischen Tätigkeit eine Funktion, beispielsweise in einer Regierung, einer Behörde oder in einem Wirtschaftsunternehmen aus, müssen alle Beteiligten auf strikte Trennung dieser Funktionen achten. Gleiches gilt im umgekehrten Fall.

Ziffer 7 – Trennung von Werbung und Redaktion

Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.


Richtlinie 7.1 – Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen
Bezahlte Veröffentlichungen müssen so gestaltet sein, dass sie als Werbung für den Leser erkennbar sind. Die Abgrenzung vom redaktionellen Teil kann durch Kennzeichnung und/oder Gestaltung erfolgen. Im Übrigen gelten die werberechtlichen Regelungen.

Richtlinie 7.2 – Schleichwerbung
Redaktionelle Veröffentlichungen, die auf Unternehmen, ihre Erzeugnisse, Leistungen oder Veranstaltungen hinweisen, dürfen nicht die Grenze zur Schleichwerbung überschreiten. Eine Überschreitung liegt insbesondere nahe, wenn die Veröffentlichung über ein begründetes öffentliches Interesse oder das Informationsinteresse der Leser hinausgeht oder von dritter Seite bezahlt bzw. durch geldwerte Vorteile belohnt wird.

Die Glaubwürdigkeit der Presse als Informationsquelle gebietet besondere Sorgfalt beim Umgang mit PR-Material.

Richtlinie 7.3 – Sonderveröffentlichungen
Redaktionelle Sonderveröffentlichungen unterliegen der gleichen redaktionellen Verantwortung wie alle redaktionellen Veröffentlichungen.
Werbliche Sonderveröffentlichungen müssen die Anforderungen der Richtlinie 7.1 beachten.

Richtlinie 7.4 – Wirtschafts- und Finanzmarktberichterstattung
Journalisten und Verleger, die Informationen im Rahmen ihrer Berufsausübung recherchieren oder erhalten, nutzen diese Informationen vor ihrer Veröffentlichung ausschließlich für publizistische Zwecke und nicht zum eigenen persönlichen Vorteil oder zum persönlichen Vorteil anderer.

Journalisten und Verleger dürfen keine Berichte über Wertpapiere und/oder deren Emittenten in der Absicht veröffentlichen, durch die Kursentwicklung des entsprechenden Wertpapieres sich, ihre Familienmitglieder oder andere nahestehende Personen zu bereichern. Sie sollen weder direkt noch durch Bevollmächtigte Wertpapiere kaufen bzw. verkaufen, über die sie zumindest in den vorigen zwei Wochen etwas veröffentlicht haben oder in den nächsten zwei Wochen eine Veröffentlichung planen.

Um die Einhaltung dieser Regelungen sicherzustellen, treffen Journalisten und Verleger die erforderlichen Maßnahmen. Interessenkonflikte bei der Erstellung oder Weitergabe von Finanzanalysen sind in geeigneter Weise offenzulegen.

Ziffer 8 – Schutz der Persönlichkeit

Die Presse achtet das Privatleben des Menschen und seine informationelle Selbstbestimmung. Ist aber sein Verhalten von öffentlichem Interesse, so kann es in der Presse erörtert werden. Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. Soweit eine Anonymisierung geboten ist, muss sie wirksam sein.

Die Presse gewährleistet den redaktionellen Datenschutz.


Richtlinie 8.1 – Kriminalberichterstattung
(1) An der Information über Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren besteht ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit. Es ist Aufgabe der Presse, darüber zu berichten.

(2) Die Presse veröffentlicht dabei Namen, Fotos und andere Angaben, durch die Verdächtige oder Täter identifizierbar werden könnten, nur dann, wenn das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit im Einzelfall die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegt. Bei der Abwägung sind insbesondere zu berücksichtigen: die Intensität des Tatverdachts, die Schwere des Vorwurfs, der Verfahrensstand, der Bekanntheitsgrad des Verdächtigen oder Täters, das frühere Verhalten des Verdächtigen oder Täters und die Intensität, mit der er die Öffentlichkeit sucht.

Für ein überwiegendes öffentliches Interesse spricht in der Regel, wenn
–    eine außergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat vorliegt,
–     ein Zusammenhang bzw. Widerspruch besteht zwischen Amt, Mandat, gesellschaftlicher Rolle oder Funktion einer Person und der ihr zur Last gelegten Tat,
–    bei einer prominenten Person ein Zusammenhang besteht zwischen ihrer Stellung und der ihr zur Last gelegten Tat bzw. die ihr zur Last gelegte Tat im Widerspruch steht zu dem Bild, das die Öffentlichkeit von ihr hat,
–    eine schwere Tat in aller Öffentlichkeit geschehen ist,
–    ein Fahndungsersuchen der Ermittlungsbehörden vorliegt.

Liegen konkrete Anhaltspunkte für eine Schuldunfähigkeit des Verdächtigen oder Täters vor, soll auf eine identifizierende Berichterstattung verzichtet werden.

(3) Wenn erneut über ein zurückliegendes Strafverfahren berichtet wird, sollen im Interesse der Resozialisierung in der Regel Namensnennung und Fotoveröffentlichung des Täters unterbleiben. Das Resozialisierungsinteresse wiegt umso schwerer, je länger eine Verurteilung zurückliegt.

(4) Über Personen, die an der Rechtspflege beteiligt sind, wie z. B. Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Sachverständige, darf in der Regel identifizierend berichtet werden, wenn sie ihre Funktion ausüben.
Bei Zeugen sind Namensnennung und Fotoveröffentlichung in der Regel unzulässig.

Richtlinie 8.2 – Opferschutz
Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte Personen  zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.

Richtlinie 8.3 – Kinder und Jugendliche
Insbesondere in der Berichterstattung über Straftaten und Unglücksfälle dürfen Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres in der Regel nicht identifizierbar sein.

Richtlinie 8.4 – Familienangehörige und Dritte
Bei Familienangehörigen und sonstigen durch die Veröffentlichung mittelbar Betroffenen, die mit dem eigentlichen Gegenstand der Berichterstattung nichts zu tun haben, sind Namensnennung und Fotoveröffentlichung in der Regel unzulässig.

Richtlinie 8.5 – Vermisste
Namen und Fotos Vermisster dürfen veröffentlicht werden, jedoch nur in Absprache mit den zuständigen Behörden.

Richtlinie 8.6 – Erkrankungen
Körperliche und psychische Erkrankungen oder Schäden gehören zur Privatsphäre. In der Regel soll über sie nicht ohne Zustimmung des Betroffenen berichtet werden.

Richtlinie 8.7 – Selbsttötung
Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände.

Richtlinie 8.8 – Aufenthaltsort
Der private Wohnsitz sowie andere private Aufenthaltsorte, wie z. B. Krankenhäuser, Pflege- oder Rehabilitationseinrichtungen, genießen besonderen Schutz.

Richtlinie 8.9 – Jubiläumsdaten
Vor der Veröffentlichung von Jubiläumsdaten von Personen, die nicht im Licht der Öffentlich-keit stehen, vergewissert sich die Redaktion, dass die Betroffenen damit einverstanden sind.

Richtlinie 8.10 – Auskunft
Wird jemand durch eine Berichterstattung in seinem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt, so hat das verantwortliche Publikationsorgan dem Betroffenen auf Antrag Auskunft über die zugrunde liegenden, zu seiner Person gespeicherten Daten zu erstatten. Die Auskunft darf verweigert werden, soweit
–    aus den Daten auf Personen, die bei der Recherche, Bearbeitung oder Veröffentlichung von Beiträgen berufsmäßig journalistisch mitwirken oder mitgewirkt haben, geschlossen werden kann,
–    aus den Daten auf die Person des Einsenders, Gewährsträgers oder Informanten von Beiträgen, Unterlagen und Mitteilungen für den redaktionellen Teil geschlossen werden kann,
–    durch die Mitteilung der recherchierten oder sonst erlangten Daten die journalistische Aufgabe des Publikationsorgans durch Ausforschung des Informationsbestandes beeinträchtigt würde oder
–    es sich sonst als notwendig erweist, um den Anspruch auf Privatsphäre mit den für die Freiheit der Meinungsäußerung geltenden Vorschriften in Einklang zu bringen.

Richtlinie 8.11 – Opposition und Flucht
Bei der Berichterstattung über Länder, in denen Opposition gegen die Regierung Gefahren für Leib und Leben bedeuten kann, ist zu bedenken: Durch die Nennung von Namen oder Fotoveröffentlichungen können Betroffene identifiziert und verfolgt werden. Auch kann die Veröffentlichung von Einzelheiten über Geflüchtete und ihre Flucht dazu führen, dass zurückgebliebene Verwandte und Freunde gefährdet oder noch bestehende Fluchtmöglichkeiten verbaut werden. 

Ziffer 9 – Schutz der Ehre

Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.

Ziffer 10 – Religion, Weltanschauung, Sitte

Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.

Ziffer 11 – Sensationsberichterstattung, Jugendschutz

Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid. Die Presse beachtet den Jugendschutz.


Richtlinie 11.1 – Unangemessene Darstellung
Unangemessen sensationell ist eine Darstellung, wenn in der Berichterstattung der Mensch zum Objekt, zu einem bloßen Mittel, herabgewürdigt wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn über einen sterbenden oder körperlich oder seelisch leidenden Menschen in einer über das öffentliche Interesse und das Informationsinteresse der Leser hinausgehenden Art und Weise berichtet wird.
Bei der Platzierung bildlicher Darstellungen von Gewalttaten und Unglücksfällen auf Titelseiten beachtet die Presse die möglichen Wirkungen auf Kinder und Jugendliche.

Richtlinie 11.2 – Berichterstattung über Gewalttaten
Bei der Berichterstattung über Gewalttaten, auch angedrohte, wägt die Presse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer und Betroffenen sorgsam ab. Sie berichtet über diese Vorgänge unabhängig und authentisch, lässt sich aber dabei nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen. Sie unternimmt keine eigenmächtigen Vermittlungsversuche zwischen Verbrechern und Polizei.

Interviews mit Tätern während des Tatgeschehens darf es nicht geben.

Richtlinie 11.3 – Unglücksfälle und Katastrophen
Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden.

Richtlinie 11.4 – Abgestimmtes Verhalten mit Behörden/Nachrichtensperre
Nachrichtensperren akzeptiert die Presse grundsätzlich nicht.

Ein abgestimmtes Verhalten zwischen Medien und Polizei gibt es nur dann, wenn Leben und Gesundheit von Opfern und anderen Beteiligten durch das Handeln von Journalisten geschützt oder gerettet werden können. Dem Ersuchen von Strafverfolgungsbehörden, die Berichterstattung im Interesse der Aufklärung von Verbrechen in einem bestimmten Zeitraum, ganz oder teilweise zu unterlassen, folgt die Presse, wenn das jeweilige Ersuchen überzeugend begründet ist.

Richtlinie 11.5 – Verbrecher-Memoiren
Die Veröffentlichung so genannter Verbrecher-Memoiren verstößt gegen die Publizistischen Grundsätze, wenn Straftaten nachträglich gerechtfertigt oder relativiert werden, die Opfer unangemessen belastet und durch eine detaillierte Schilderung eines Verbrechens lediglich Sensationsbedürfnisse befriedigt werden.

Richtlinie 11.6 – Drogen
Veröffentlichungen in der Presse dürfen den Gebrauch von Drogen nicht verharmlosen. 

Ziffer 12 – Diskriminierungen

Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.

Richtlinie 12.1 – Berichterstattung über Straftaten (gültig seit 22.03.2017)

In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

Die Praxis-Leitsätze zur Richtlinie 12.1 finden Sie hier.

Ziffer 13 – Unschuldsvermutung

Die Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt auch für die Presse.

Richtlinie 13.1 – Vorverurteilung
Die Berichterstattung über Ermittlungs- und Gerichtsverfahren dient der sorgfältigen Unterrichtung der Öffentlichkeit über Straftaten und andere Rechtsverletzungen, deren Verfolgung und richterliche Bewertung. Sie darf dabei nicht vorverurteilen. Die Presse darf eine Person als Täter bezeichnen, wenn sie ein Geständnis abgelegt hat und zudem Beweise gegen sie vorliegen oder wenn sie die Tat unter den Augen der Öffentlichkeit begangen hat. In der Sprache der Berichterstattung ist die Presse nicht an juristische Begrifflichkeiten gebunden, die für den Leser unerheblich sind.

Ziel der Berichterstattung darf in einem Rechtsstaat nicht eine soziale Zusatzbestrafung Verurteilter mit Hilfe eines “Medien-Prangers” sein. Zwischen Verdacht und erwiesener Schuld ist in der Sprache der Berichterstattung deutlich zu unterscheiden.

Richtlinie 13.2 – Folgeberichterstattung
Hat die Presse über eine noch nicht rechtskräftige Verurteilung eines Betroffenen berichtet, soll sie auch über einen rechtskräftig abschließenden Freispruch bzw. über eine deutliche Minderung des Strafvorwurfs berichten, sofern berechtigte Interessen des Betroffenen dem nicht entgegenstehen. Diese Empfehlung gilt sinngemäß auch für die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens.

Richtlinie 13.3 – Straftaten Jugendlicher
Bei der Berichterstattung über Ermittlungs- und Strafverfahren gegen Jugendliche sowie über ihr Auftreten vor Gericht soll die Presse mit Rücksicht auf die Zukunft der Betroffenen besondere Zurückhaltung üben.

Ziffer 14 – Medizin-Berichterstattung

Bei Berichten über medizinische Themen ist eine unangemessen sensationelle Darstellung zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken könnte. Forschungsergebnisse, die sich in einem frühen Stadium befinden, sollten nicht als abgeschlossen oder nahezu abgeschlossen dargestellt werden.

Ziffer 15 – Vergünstigungen

Die Annahme von Vorteilen jeder Art, die geeignet sein könnten, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion zu beeinträchtigen, sind mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und der Aufgabe der Presse unvereinbar. Wer sich für die Verbreitung oder Unterdrückung von Nachrichten bestechen lässt, handelt unehrenhaft und berufswidrig.

Richtlinie 15.1 – Einladungen und Geschenke
Schon der Anschein, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion könne beeinträchtigt werden, ist zu vermeiden. Journalisten nehmen daher keine Einladungen oder Geschenke an, deren Wert das im gesellschaftlichen Verkehr übliche und im Rahmen der beruflichen Tätigkeit notwendige Maß übersteigt.
Die Annahme von Werbeartikeln oder sonstiger geringwertiger Gegenstände ist unbedenklich.

Recherche und Berichterstattung dürfen durch die Annahme von Geschenken, Einladungen oder Rabatten nicht beeinflusst, behindert oder gar verhindert werden. Verlage und Journalisten bestehen darauf, dass Informationen unabhängig von der Annahme eines Geschenks oder einer Einladung gegeben werden.
Wenn Journalisten über Pressereisen berichten, zu denen sie eingeladen wurden, machen sie diese Finanzierung kenntlich.

Ziffer 16 – Rügenveröffentlichung

Es entspricht fairer Berichterstattung, vom Deutschen Presserat öffentlich ausgesprochene Rügen zu veröffentlichen, insbesondere in den betroffenen Publikationsorganen bzw. Telemedien.

Richtlinie 16.1 – Inhalt der Rügenveröffentlichung
Der Leser muss den Sachverhalt der gerügten Veröffentlichung erfahren und informiert werden, welcher publizistische Grundsatz durch die Veröffentlichung verletzt wurde.

Richtlinie 16.2 – Art und Weise der Rügenveröffentlichung
Rügen sind in den betroffenen Publikationsorganen bzw. Telemedien in angemessener Form zu veröffentlichen. Die Rügen müssen in Telemedien mit dem gerügten Beitrag verknüpft werden.