Es ist halt auch nur ein Job

Vor ein paar Tagen stieß ich bei Twitter auf den User “@chemokasper“, wie man ab- und zu über Artikel oder Personen in seiner Timeline stolpert. Der Chemokasper ist ein Pfleger auf einer Kinderonkologie in Deutschland. Einer von Vielen vielleicht – dennoch der Erste,  den ich bei Twitter getroffen habe, der einen kleinen Teil seiner Arbeit in der Kinderonkologie mit uns teilt. Kinderonokologie. “Schwieriges Thema”. Den  Menschen in ihrer oft verzweifelten Lage auch noch etwas von der eigenen Kraft abzugeben. Trost und Mut zu spenden. Und manchmal auch der starke Begleiter zu sein. Bis zum Schluß. Den Kinder/Jugendlichen UND ihren Eltern.

[…]”Das könnte ich nicht.“ Diese und ähnliche Aussagen höre ich oft. Ich nehme das auch keinem übel.”

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Der Chemokasper

Pfleger in einer Kinderonkologie

Es gibt Menschen, die ihn sicherlich bewundern. Menschen, die von sich wissen, dass sie so einen Beruf niemals ausüben könnten. Das gleiche sagen Andere widerum über Gebäudereiniger, die in schwindelnder Höhe arbeiten müssen. Oder vielleicht auch Berufssoldaten, deren Job es sein kann,  anderen Menschen das Leben zu nehmen. Kann man diese Berufe gleichsetzen oder miteinander vergleichen ? Sicherlich nicht. Aber man kann die Einstellung vergleichen, mit der wir auf diese Berufe schauen. In Berufen wie dem von Chemokasper, denke ich, dass es durchaus eine Erfüllung sein kann, Menschen wirklich helfen zu können. Sie zu begleiten. Kraft zu geben. Der Baum im Sturm zu sein. Sich nicht der eigenen Schwäche und eigener Emotionen hinzugeben. Dem Leidenden nicht unser Mitleid auszudrücken-, sondern ihm Kraft zum Durchhalten zu spenden. Diese Eigenschaft, an den Anderen mehr zu denken, als an sich selbst, ist es, was einen Alltagshelden ausmacht. Der Chemokasper gehört sicherlich, wie viele seiner Zunft in diese Heldenkategorie.

Menschen wie er, wollen oft nicht “gefeiert” werden, denn sie “tun ja eigentlich ‘nur’ ihren Job”. Und so bleiben sie oft unbeobachtet und ungeschätzt von der Gesellschaft. Sollte man sie nicht mehr beachten? Ihnen den gebührenden Platz in der Öffentlichkeit geben? Bekanntmachen, was sie tagtäglich tun? Nicht unbedingt. Aber man sollte Menschen wie ihn darin bestärken, dass sie das Richtige tun. Und sie vor allem wertschätzen. Wie auch die vielen guten Seelen, in den Hospizen, Feuerwehren, Krankenhäuser, Freiwilligendiensten, (u.v.m)  die 24/7 nur für Dich da sind, wenn du sie brauchst.

[…]”Sie vertrauen mir ihre Sorgen und Nöte an, doch dann muss ich sie irgendwann immer zurücklassen”

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@LaVieVagabonde

Journalistin, Seeräuberbatman, Hamsterdomteurin & Sternenkindfotografin

Unsere Gesellschaft wird von wunderbaren Menschen getragen, die in kaum einem Medium stattfinden. Die im Hintergrund arbeiten. Oft unbemerkt. Die meisten von uns ahnen nicht einmal, dass es Menschen mit Aufgaben gibt, die sich viele von uns nicht mal vorstellen können, dass sie existieren. Wie zum Beispiel das Fotografieren von  Sternenkindern.

Was Sternenkinder sind, habe auch ich erst durch einen Zufallsklick auf das Twitterprofil von @LaVieVagabonde erfahren. […] “Das sind Kinder, die noch im Bauch der Mutter oder bei/kurz nach der Geburt sterben“. Die ethische Diskussion aussen vor gelassen, ist auch dies eine Aufgabe, der sicherlich nicht Jeder gewachsen ist.

Auch Jasmin (so der eigentliche Name vvon LaVieVagabonde) gehört zu den Menschen, die sich zurückstellen und Menschen in Momenten helfen, in denen sie mit der Situation überfordert sind. Ihnen ein wenig Halt und Kraft zu geben. Dabei helfen  ihren oft schicksalbehafteten harten Weg zu gehen und einen kleinen Teil sogar mitzugehen. Die Organisation “Sternenkinder” beheimatet eine wachsende Schaar an freiwilligen Fotografen, die ihr Können, Kreativität, Ausrüstung, Zeit und Empathie zur kostenlos Verfügung stellen. Sie werden über ein Notrufsystem alarmiert und fahren zu jeder Tages- und Nachtzeit in Kliniken und fertigen meist die letzten Erinnerungen für Eltern an, die von dem sterbenden Kind bleiben werden. Zumindest Erinnerungen , die man anfassen und anschauen kann. An die man sich mit Schmerz aber auch gerne zurückerinnern kann. Eine dieser Fotografinnen ist Jasmin (LaVieVagabonde) . Und ganz nebenbei ist sie auch ein wenig der Situationstherapeut, der den Eltern in ihrer schwierigsten Phase ein wenig sternenglitzertrost ins Leben streut. Halt gibt. Für sie da ist.

Wer mehr über Jasmin, LaVieVagabonde wissen möchte – oder auch wissen möchte, warum sie tut, was sie tut, dem sei ihre Webseite www.sterbenueben.de empfohlen.

Es muss uns wütend machen, wegzusehen mit dem Wissen, was diese Menschen leisten und eigentlich verdienen im Vergleich zu dem, was sie bekommen. Damit ist nicht nur das Gehalt gemeint. Viele von uns haben es vergessen, wie viel ein “Danke schön” wert sein kann. Ein Danke-lächeln. Ein Danke-Schokoriegel. Oder eine Danke-Spende. Wie viel diese Menschen wirklich leisten, wird einem oft erst bewußt, wenn man selbst betroffen ist. Als Angehöriger oder auch als Betroffener.

Ein wenig mehr Demut gegenüber unseren Alltagshelden täte uns ganz gut. Mal darüber nachdenken, was viele Freiwillige jeden Tag für uns leisten – ohne die unsere Gesellschaft gar nicht funktionieren würde.  Nicht nur an den sogenannten christlichen Feiertagen mal in sich gehen und ganz speziell Jeder, der jetzt diese Zeilen liest, in sich gehen und darüber nachdenken, was er oder sie tun kann. Nicht könnte.

Wer kennt sie nicht -die schlechtgelaunte Supermarktkassiererin. Kein Lächeln. Keinen freundlichen guten Tag wünschend. Weiss die denn nicht, was man selbst für einen beschissenen Tag hinter sich hat. Muss man sich dann von “so einer” auch noch angiften lassen, obwohl man doch selbst freundlich ist. Schließlich kaufen wir ja nicht zum Vergnügen ein und wir könnten uns schöneres vorstellen. Ausser Acht lassen wir vielleicht die 900 Kunden, die vor uns am Band standen. Ihren Feierabendfrust an der Kassiererin ausgelassen haben, weil im Markt selbst kein Ansprechpartner zu finden war, der einem den Ärger abnimmt. Lieblingsnudeln ausverkauft. Eier an einem völlig unauffindbaren Platz. Nervige Einkaufswagen stehen im Gang. Nicht ausgeräumte Kartons stehen im Weg und die Butter ist auch schon wieder teurer als gestern. Angestaute Aggression multipliziert mit der Anzahl der Kunden plus eigene Sorgen und Nöte in Kombination mit einem echt beschissenem Gehalt ist es vielleicht nicht immer einfach auch den 901sten Kunden noch freundlich anzulächeln. Warum nicht mal selbst den Kreis durchbrechen? Freundlichkeit ist so einfach.

Die Online-Petitionen, die viele Leser jeden Tag unterschreiben und damit ihr Gewissen besänftigen. Das meckern über Unzulänglichkeiten im eigenen Leben. Das Protestkreuz an der falschen Stelle auf dem Wahlzettel. Wir alle haben unser eigenes Schicksal in der Hand. Und Zusammen bilden wir eine Gesellschaft. Wir sind die Gesellschaft. Es sind nicht die Anderen, die diese Gesellschaft geformt und den “Karren in den Dreck gefahren” haben. Das sind wir.

Es gibt so viele kleine Dinge, die wir tun “könnten”. Die uns nicht mal viel Mühe kosten. kein Geld. keine Kraft.

Manchmal hilft es, wenn man vor Augen geführt bekommt, wie es bei Anderen läuft. Und manchmal ist dann das eigene Schicksal gar nicht mehr so schlimm. Und vielleicht animiert es einen sogar über sich hinaus zu wachsen – Den Kreis zu durchbrechen und ein wenig zurückzugeben, was Menschen wie der Chemokasper oder
LaVieVagabonde täglich für die Gesellschaft leisten.

Jasmin und der Chemokasper sind 2 von vielen Twitterern*, die ich beim vorbeilesen kennengelernt habe. Beeindruckt von der Persönlichkeit den Geschichten, die ich über und von ihnen gelesen habe, möchte ich Andere dazu anleiten, differenziert auf Dinge zu blicken. Schwierigkeiten vielleicht  nicht als Hürde sondern Aufgaben zu betrachten. Menschen, wie die Beiden zu würdigen und mehr Beachtung zu schenken. Generell etwas Menschlicher zu sein. In Zeiten wie Trump, Klimawandel und Rechtsruck. Ich persönlich möchte einfach nur Danke sagen. Danke LaVieVagabonde, Danke Chemokasper, danke ihr Alle da draußen.

Empfehlung für heute: Bitte lächele JETZT

Lese – Empfehlung:

Blog “Sterben üben” von Jasmin “LaVieVagabonde”
    – Das erste und das letzte Bild

 Blog von Chemokasper:
    – Beruf oder Berufung
    – Ein Geschenk von weit weg
    – Wo bin ich hier… und warum?

dein-sternenkind.eu

  • * WAS ZUM TEUFEL IST DER PLURAL VON TWITTERER ? 😀


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